Schnelle Lösung (TL;DR)
Unterextrusion wird meistens durch teilweise verstopfte Düsen, zu niedrige Temperaturen oder falsche E-Step-Werte verursacht. Erster Schritt: Düsentemperatur um 5-10°C erhöhen. Wenn das nicht hilft, E-Step-Kalibrierung durchführen.
Was ist Unterextrusion?
Unterextrusion (Under-extrusion) ist ein Zustand, bei dem der Drucker weniger Filament als nötig ausstößt. Die Folge: dünne Wände, sichtbare Lücken, schlechte Schichthaftung und brüchige Drucke.
Symptome
- Wände sind dünner als sie sein sollten
- Lücken zwischen den Infill-Linien
- Schlechte Haftung zwischen den Schichten (kann leicht von Hand abgerissen werden)
- Die Oberfläche ist nicht vollständig geschlossen (sieht löchrig aus)
- Der Druck ist insgesamt schwach und brüchig
8 Hauptursachen und ihre Lösungen
1. 🔥 Zu niedrige Düsentemperatur
Wenn die Temperatur nicht ausreicht, kann das Filament nicht vollständig schmelzen und der Fluss verringert sich.
Lösungsschritte:
- Düsentemperatur um 5-10°C erhöhen
- Temperaturturm-Test durchführen
- Die obere Grenze des vom Filamenthersteller empfohlenen Bereichs ausprobieren
Filamentbasierte Empfehlungen:
| Filament | Minimum | Empfohlen | Maximum |
|---|---|---|---|
| PLA | 190°C | 205-215°C | 230°C |
| PETG | 220°C | 235-245°C | 260°C |
| ABS | 220°C | 240-250°C | 270°C |
| TPU | 210°C | 225-235°C | 250°C |
2. 🧹 Teilweise verstopfte Düse
Die Düse ist nicht vollständig verstopft, aber es befinden sich Rückstände darin. Filament kann passieren, aber der Fluss ist eingeschränkt.
Symptome: Manchmal normaler, manchmal geringer Extrusion. Unregelmäßige Linien.
Lösungsschritte:
- Cold Pull (Kaltabzug): Düse auf 250°C erhitzen → Filament hineindrücken → auf 90°C abkühlen lassen → schnell herausziehen
- 3-5 Mal wiederholen (wenn das herausgezogene Filament sauber und spitz ist, ist die Verstopfung beseitigt)
- Die Düsenspitze mit einer Reinigungsnadel (0,3-0,4 mm) reinigen
- Wenn das Problem weiterhin besteht, die Düse austauschen
3. ⚙️ Falsche E-Step-Kalibrierung
Wenn der E-Step-Wert, der definiert, wie viel Filament der Extruder pro Motorumdrehung fördern soll, falsch ist, kommt es zu einer konstanten Unter- oder Überextrusion.
E-Step-Kalibrierungsschritte:
- Das Filament 120 mm über dem Düseneingang markieren
- Im Terminal:
G1 E100 F100(Befehl zum Vorschieben von 100 mm Filament) - Die verbleibende Distanz messen. Beispiel: Wenn 15 mm übrig sind, wurden 105 mm vorgeschoben.
- Aktuellen E-Step-Wert ablesen:
M503→ ZeileM92prüfen - Neuer Wert = Aktueller E-Step × (100 / Tatsächliche Messung)
- Speichern:
M92 E[neuer_Wert]→M500
Beispielrechnung:
- Aktueller E-Step: 93
- Gewünscht: 100 mm, Tatsächlich: 95 mm
- Neu = 93 × (100/95) = 97,89
4. 📏 Falsche Filamentdurchmesser-Einstellung
Wenn in der Slicer-Software der Filamentdurchmesser auf 2,85 mm eingestellt ist, aber 1,75 mm Filament verwendet wird, fördert der Drucker zu wenig Filament.
Lösung:
- Filamentdurchmesser in der Slicer-Software überprüfen
- Cura: Settings → Material → Diameter: 1.75
- PrusaSlicer: Filament Settings → Filament → Diameter: 1.75
- Den tatsächlichen Filamentdurchmesser mit einem digitalen Messschieber messen (an 3 verschiedenen Stellen)
- Den Durchschnittswert in die Slicer-Software eingeben (z.B. 1,73 mm)
5. 🦷 Abgenutzte Extruder-Zahnräder
Das Extruder-Zahnrad nutzt sich mit der Zeit ab und kann das Filament nicht mehr greifen.
Symptome:
- Ein "Klick-Klack"-Geräusch vom Extruder
- Einkerbungen/Abnutzungsspuren auf dem Filament
- Ansammlung von Filamentstaub
Lösungsschritte:
- Extruder-Zahnrad ausbauen und inspizieren
- Wenn die Zähne abgenutzt sind, ein neues Zahnrad einbauen
- Anstelle eines Stahlzahnrads ein Upgrade auf Hartstahl oder einen Dual-Gear-Extruder durchführen
- Den Anpressdruck (Tension) des Zahnrads überprüfen – zu fest quetscht das Filament, zu locker greift es nicht
6. 🔄 Bowden-Schlauch-Problem
Wenn der Bowden-Schlauch Spiel hat, geknickt ist oder abgenutzt ist, erhöht sich der Widerstand für das Filament.
Lösungsschritte:
- Bowden-Schlauch ausbauen und auf einer ebenen Fläche prüfen
- Den Innendurchmesser auf Gleichmäßigkeit prüfen (Filament sollte sich leicht bewegen lassen)
- Die Enden sollten sauber und gerade geschnitten sein – Capricorn-Schlauchschneider verwenden
- Der Schlauch muss fest im Hotend sitzen – Spiel führt zu Verstopfungen
- Auf einen Capricorn PTFE-Schlauch umsteigen (engere Toleranzen, weniger Reibung)
7. 💨 Unzureichende Kühlung (Heat Creep)
Übermäßige Erwärmung des oberen Teils des Hotends schmilzt das Filament vorzeitig und verursacht Verstopfungen.
Symptome: Probleme treten bei langen Drucken auf. Die ersten 1-2 Stunden sind normal, danach nimmt die Extrusion ab.
Lösungsschritte:
- Prüfen, ob der Hotend-Lüfter (kleiner Lüfter) funktioniert
- Sicherstellen, dass der Heatbreak sauber und richtig montiert ist
- Wärmeleitpaste erneuern
- Wenn ein All-Metal-Hotend verwendet wird, die Retraction-Distanz auf 1-2 mm halten
- Wenn die Umgebungstemperatur sehr hoch ist (über 35°C), einen zusätzlichen Lüfter anbringen
8. 🌀 Niedrige Flow Rate
Wenn die Flow Rate (Flussrate) im Slicer zu niedrig eingestellt ist, kommt es zu Unterextrusion.
Lösungsschritte:
- Flow Rate überprüfen – Standard ist 100 %
- Testwürfel drucken: eine Wand, 0,4 mm Düse → die Wandstärke sollte 0,4 mm betragen
- Wenn die Messung 0,36 mm ergibt: Neue Flow Rate = 100 × (0,4/0,36) = 111 %
- Filamentbasierte Flow-Einstellung vornehmen (PETG benötigt in der Regel 95-98 %)
Schnelles Diagnose-Flussdiagramm
- Ist die Temperatur korrekt? → Nein → Um 5-10°C erhöhen
- Kommt der Cold Pull sauber heraus? → Nein → Düse reinigen/austauschen
- Sind die E-Steps kalibriert? → Nein → E-Step-Kalibrierung durchführen
- Macht der Extruder Klick-Klack-Geräusche? → Ja → Zahnrad und Anpressdruck prüfen
- Ist der Bowden-Schlauch in Ordnung? → Nein → Schlauch austauschen
- Tritt das Problem bei langen Drucken auf? → Ja → Heat Creep prüfen
Vorbeugungstipps
✅ Bei jeder neuen Filamentrolle einen Temperaturtest durchführen ✅ Alle 6 Monate die E-Step-Kalibrierung überprüfen ✅ Düse alle 500 Druckstunden austauschen (Messingdüse) Außerdem die Druckgeschwindigkeit im Vergleich zu PLA um 10-15 % reduzieren.